CIBEDO

Über die Fachstelle

CIBEDO e.V. – die Christlich-Islamische Begegnungs- und Dokumentationsstelle – ist die Fachstelle der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des christlich-islamischen Dialogs. Als überregionale Einrichtung fördert CIBEDO bundesweit den sachlichen, theologisch fundierten und gesellschaftlich verantworteten Austausch zwischen Christentum und Islam.
CIBEDO hat seinen Sitz auf dem Campus der Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Von dort aus begleitet die Fachstelle die Lebenswirklichkeiten von Christinnen und Christen sowie Musliminnen und Muslimen in Deutschland wissenschaftlich, analysiert Entwicklungen im christlich-islamischen Verhältnis und unterstützt kirchliche wie gesellschaftliche Akteure kompetent in Fragen des Islam. Ziel ist es, gegenseitiges Verständnis zu fördern, differenzierte Orientierung zu ermöglichen und einen Beitrag zu einem respektvollen Zusammenleben zu leisten.
Gegründet wurde CIBEDO 1978 in Köln durch Mitglieder des Missionsordens der Weißen Väter – zu einem Zeitpunkt, als der Islam in Deutschland noch kaum als gesellschaftliche Realität wahrgenommen wurde. Lange bevor Muslime mit heute rund 5,5 Millionen Gläubigen zur zweitgrößten Religionsgemeinschaft in Deutschland wurden, verstand sich CIBEDO bereits als verlässlicher Gesprächspartner im christlich-islamischen Dialog.

Die Gründung von CIBEDO fällt in eine Phase grundlegender theologischer Neuorientierung der katholischen Kirche im Verhältnis zu anderen Religionen. Das Zweite Vatikanische Konzil setzte mit der Erklärung Nostra aetate (1965) einen entscheidenden Akzent: Die Kirche verpflichtet sich darin, Muslimen in einer Haltung der „Hochachtung“ zu begegnen, da auch sie den einen Gott anbeten. Diese konziliare Neuausrichtung bildete den geistlichen und theologischen Rahmen für eine Institution, die den christlich-islamischen Dialog dauerhaft, systematisch und fachlich fundiert begleiten sollte.

Vor diesem Hintergrund wurde CIBEDO am 1. Oktober 1978 auf Initiative des Kölner Weihbischofs Julius Angerhausen gegründet. Der Afrikamissionar und Islamwissenschaftler Pater Hans Vöcking prägte die Arbeit von CIBEDO über zwei Jahrzehnte hinweg und leitete die Einrichtung bis 1998. Von Beginn an verstand sich CIBEDO nicht allein als pastorale Anlaufstelle für muslimische Migranten der ersten Generation, sondern als Ort der Dokumentation, Analyse und Förderung christlich-islamischer Begegnung in Kirche und Gesellschaft.

Mit der wachsenden Bedeutung des interreligiösen Dialogs übernahm die Deutsche Bischofskonferenz im Jahr 1998 offiziell die Trägerschaft von CIBEDO. Seither ist die Einrichtung die zentrale Fachstelle der DBK für den Dialog mit dem Islam und für Fragen des Zusammenlebens von Christen und Muslimen in Deutschland.

Ein markanter Meilenstein in der Geschichte von CIBEDO war das 40-jährige Jubiläum im Jahr 2018. Bei einem Festakt würdigten Vertreter aus Politik, Kirche und Zivilgesellschaft die langjährige Arbeit der Fachstelle, darunter der damalige Vorsitzende der DBK, Reinhard Kardinal Marx, sowie der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Mit nahezu fünf Jahrzehnten Erfahrung ist CIBEDO heute eine feste Größe – sowohl innerhalb der katholischen Kirche als auch im öffentlichen Diskurs zu Religion, Migration und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Die Fachstelle steht für fachlich fundierte Begegnung, sorgfältige Dokumentation und qualifizierte Beratung im christlich-islamischen Dialog. Zur Geschichte von CIBEDO siehe ausführlicher den Beitrag von Hans Vöcking.

Institutionell ist der interreligiöse Dialog der katholischen Kirche im Dikasterium für den interreligiösen Dialog verankert, in dem der Geschäftsführer von CIBEDO als Consultant für christlich-islamische Beziehungen tätig ist. Auf nationaler Ebene arbeitet CIBEDO eng mit der bischöflichen Unterkommission für den Interreligiösen Dialog zusammen und steht in regelmäßigem Austausch mit den diözesanen Beauftragten für die Begegnung mit dem Islam. Eine enge Kooperation besteht zudem mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, auf deren Campus die Räumlichkeiten von CIBEDO angesiedelt ist.

Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat

Nostra aetate 3

Theologisches Profil

Das theologische Selbstverständnis von CIBEDO gründet in den lehramtlichen Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die Kirche bekennt, dass das Heilshandeln Gottes allen Menschen gilt (Lumen gentium 16), und begegnet Muslimen „mit Hochachtung“ (Nostra aetate 3), da auch sie den einen Gott „mit uns“ („cum nobiscum“, LG 16) anbeten. Daraus erwächst eine grundlegende Haltung des Respekts gegenüber religiösen Überzeugungen, in denen „Wahres und Heiliges“ zu erkennen ist (Nostra aetate 2).
Diese konziliare Perspektive prägt die dialogische Praxis von CIBEDO. Sie bildet – zusammen mit dem Anspruch, Gespräche stets „mit Klugheit und Liebe“ zu führen – den theologischen Rahmen der Arbeit. Diese Haltung ist auch im Logo von CIBEDO sichtbar: Das dort verwendete arabische Schriftwort bringt das Selbstverständnis der katholischen Kirche im interreligiösen Dialog und das Leitmotiv der Arbeit von CIBEDO zum Ausdruck.

Untrennbar mit diesem theologischen Ansatz verbunden ist die klare Anerkennung der rechtlichen Grundlagen des religiösen Zusammenlebens in Deutschland und Europa. Die Europäische Menschenrechtskonvention, insbesondere Artikel 9 zur Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, sowie das Grundgesetz, vor allem Artikel 4 zur Freiheit des Glaubens und der Religionsausübung, bilden den normativen Rahmen, innerhalb dessen interreligiöser Dialog in einer freiheitlich-demokratischen Ordnung verantwortet wird.
CIBEDO versteht interreligiösen Dialog ausdrücklich nicht als Ort missionarischer Auseinandersetzung, sondern als Raum der Begegnung, in dem Vertrauen wachsen und gegenseitiges Verstehen vertieft werden kann. Im Bewusstsein, dass im Dialog unterschiedliche Glaubenszeugnisse aufeinandertreffen, die sowohl Gemeinsames als auch Trennendes kennen, bietet CIBEDO Christen und Muslimen eine qualifizierte Plattform für fundiertes Kennenlernen, offene Gespräche und sachliche Reflexion von Spannungsfeldern. Auf diese Weise fördert CIBEDO eine Kultur des interreligiösen Dialogs, die von Respekt, Offenheit und dem gemeinsamen Einsatz für Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt getragen ist.

Mitarbeitende

Dr. Timo Aytaç Güzelmansur
Geschäftsführer CIBEDO
Robin Flack
Islamwissenschaftlicher Referent
N.N.
Theologische/r Referent/in
Michael J. Hanser
Studentische Hilfskraft
Marlene Uroda
Sekretär/-in

Bibliothek

Die Präsenzbibliothek von CIBEDO e.V. wird kontinuierlich aktualisiert. Der Bestand umfasst derzeit rund 15.000 Medien. Ergänzt wird dieser Bestand durch eine vollständig erschlossene und systematisch verschlagwortete Zeitschriftenbibliothek. Damit verfügt CIBEDO über eine der umfangreichsten spezialisierten Fachbibliotheken im deutschsprachigen Raum zu Themen der christlich-islamischen Begegnung.
Dokumentiert werden insbesondere die Entwicklungen des islamischen Lebens in Europa, mit einem Schwerpunkt auf Deutschland, Fragen des muslimischen Lebens im gesellschaftlichen Kontext, aktuelle islamwissenschaftliche und theologische Fragestellungen sowie Stellungnahmen und Beiträge aus muslimischen, christlichen und akademischen Zusammenhängen. Die Bibliothek bildet somit ein breites Spektrum an Perspektiven ab und ermöglicht eine differenzierte Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Debatten.
Ergänzend unterhält CIBEDO ein umfangreiches Archiv, das neben wissenschaftlicher Fachliteratur auch sogenannte Grauer Literatur systematisch sammelt und erschließt. Das Archiv stellt eine wichtige Grundlage für Forschung, Dokumentation und Analyse dar und kann für wissenschaftliche Arbeiten genutzt werden.
Die Bestände der Bibliothek sind zudem im Hessischen Bibliotheks-InformationsSystem (HeBiS-Portal) des Hessischen Bibliotheksverbundes nachgewiesen und somit überregional recherchierbar.

Nutzern unserer Bibliothek und unseres Archivmaterials steht ein Arbeitsplatz mit PC zur Verfügung. Besuche in der Geschäftsstelle und in der Bibliothek sind derzeit nur nach vorheriger Anmeldung möglich. Bitte wenden Sie sich hierfür an info@cibedo.de.

Zur Suche in der ständig aktualisierten Präsenzbibliothek mit zur Zeit etwa 15.000 Medien.


Organisation

Der CIBEDO e. V. ist ein im Vereinsregister eingetragener gemeinnütziger Verein. Nähere Angaben zur Vereinsstruktur und zu den rechtlichen Grundlagen können dort eingesehen werden.
1. Vorsitzender ist Dr. Wolfgang Pax, stellvertretender Vorsitzender Prof. Dr. Dirk Ansorge.
CIBEDO ist als Fachstelle der Deutschen Bischofskonferenz derzeit in der Kommission Weltkirche angesiedelt.

Partner

CIBEDO arbeitet mit zahlreichen kirchlichen, akademischen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen, um den christlich-islamischen Dialog fachlich zu begleiten, weiterzuentwickeln und zu professionalisieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Begegnungsprojekten, an denen CIBEDO aktiv beteiligt ist und die einen zentralen Bestandteil der Arbeit darstellen. Eng vernetzt ist CIBEDO zudem mit den diözesanen Beauftragten für den christlich-islamischen Dialog, die diesen auf lokaler Ebene verantworten und gestalten. Darüber hinaus kooperiert CIBEDO mit zahlreichen kirchlichen, wissenschaftlichen und gemeinnützigen Institutionen auf nationaler und internationaler Ebene:

Die Deutsche Bischofskonferenz ist für CIBEDO zentraler kirchlicher Kooperationspartner, insbesondere bei ausgewählten Veranstaltungen wie dem jährlichen Empfang der Partnerinnen und Partner im christlich-islamischen Dialog. CIBEDO arbeitet dabei eng mit dem Sekretariat der Deutsche Bischofskonferenz zusammen und bringt seine fachliche Expertise zu Fragen des Islam in interreligiöse Dialogprojekte ein. CIBEDO berät zudem bei der fachlichen Vorbereitung bischöflicher Stellungnahmen, Verlautbarungen und Grußworte mit Islambezug.

Das Dikasterium für den Interreligiösen Dialog ist die vatikanische Einrichtung, die sich für mehr Verständnis, Respekt und Zusammenarbeit zwischen der katholischen Kirche und Angehörigen nichtchristlicher Religionen einsetzt. Es koordiniert den interreligiösen Dialog der römischen Kurie und trägt zum Abbau von Vorurteilen bei. Seit 2020 ist der Geschäftsführer von CIBEDO, Dr. Timo Güzelmansur, Consultor für christlich-islamische Beziehungen an diesem Dikasterium.

Die Räumlichkeiten von CIBEDO befinden sich auf dem Campus der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Durch diese räumliche Anbindung ergeben sich vielfältige Synergien in Forschung, Lehre und Praxis. Besonders intensiv ist die Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl Katholische Theologie im Angesicht des Islam und dem Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte. Darüber hinaus besteht eine enge Kooperation mit dem Institut für Weltkirche und Mission sowie mit der Hochschule insgesamt, beispielsweise bei Schulbesuchen, Studienprogramm öffentlichen Veranstaltungen und Großprojekten.

Ein weiterer wichtiger Partner ist die Georges-Anawati-Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung privaten Rechts mit Sitz in Rüthen. Sie ist benannt nach dem ägyptischen Dominikaner Georges Anawati und fördert Initiativen des interreligiösen und interkulturellen Dialogs, die der gegenseitigen Achtung und Verständigung zwischen Christen und Muslimen dienen. Die Stiftung unterstützt innovative Projekte, die Begegnungen ermöglichen, das gegenseitige Kennenlernen vertiefen und gemeinsames Handeln fördern. So förderte sie unter anderem die CIBEDO-Werkstatt 2025 „60 Jahre Nostra aetate/Ad gentes. Universalismus als Herausforderung für Mission und interreligiösen Dialog“.