Häufige Fragen zum Dialog
Wenn man sich für den interreligiösen Dialog interessiert und in den Bereich pastoraler Praxis einsteigt, stellen sich eine Reihe von Fragen.
Diese Seite soll eine erste Orientierungsmöglichkeit bieten und Fragen beantworten, die sich in der Praxis und aus dem gelebten Miteinander stellen. Entsprechend ist diese Seite als ein Forum gedacht, das kontinuierlich überarbeitet wird. Diese Seite befindet sich entsprechend im Aufbau. Wir freuen uns über Ihre Mithilfe: Schreiben Sie uns Fragen, die Sie gerne beantwortet haben möchten.
Eine Orientierung zu Fragen der christlich-muslimischen Beziehungen in Deutschland bietet die neue Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz zu diesem Thema. Ebenfalls empfehlenswert das Online-Handbuch zum christlich-islamischer Dialog, das von der Georges-Anawati-Stiftung herausgegeben wird. Auf dieser Seite finden Sie zudem Anregungen, wie der christliche Glaube muslimischen Gesprächspartnerinnen und -partner erklärt werden kann.
Es ist mittlerweile eine schöne Tradition geworden, dass Muslime neben Familienangehörige auch Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen zum Fastenbrechen einladen. Wenn Sie zu diesem besonderen, gemeinschaftlichen Ereignis eingeladen werden, können Sie sich an folgenden „Benimmregeln“ orientieren:
- Während des Gebets und des eigentlichen Essens sollten Handys aus- oder stummgeschaltet sein.
- Seien Sie pünktlich zur eingeladenen Zeit und unbedingt vor Sonnenuntergang da. Das Fasten wird gemeinsam mit dem Gebetsruf gebrochen.
- Wählen Sie angemessene, eher konservative Kleidung, die Schultern und Knie bedeckt.
- Kleine Gastgeschenk sind sehr geschätzt. Passend sind u.a. Süßigkeiten (Baklava, Kunafa, Schokolade), Datteln (sehr traditionell), Kuchen etc. Achten Sie auf jeden Fall darauf, dass die Geschenke kein Alkohol oder Gelantine enthalten.
Umgekehrt laden auch beispielsweise Christen Muslime ein und bereiten den Tisch, damit ihren muslimischen Freunde ihr Fastenbrechen können. Wenn Sie Menschen aus Ihrer muslimischen Gemeinde, Nachbarschaft oder Ihrem Freundeskreis zum Fastenbrechen (ifṭār) einladen möchten, können folgende Hinweise hilfreich sein – sie beruhen auf praktischen Erfahrungen:
- Haben Sie keine Scheu vor möglichen Unsicherheiten. Kleine Missgeschicke passieren schnell und werden in der Regel mit Gelassenheit aufgenommen.
- Das Fastenbrechen ist zunächst schlicht eine gemeinsame Mahlzeit zum Sonnenuntergang. Mehr Rahmen braucht es nicht zwingend.
- Viele Musliminnen und Muslime beginnen traditionell mit einer Dattel – in Anlehnung an die überlieferte Praxis des islamischen Propheten Muhammad – und greifen zunächst gern zu Wasser oder Saft. Auch Tee wird im weiteren Verlauf des Abends geschätzt.
- Wenn Fleisch angeboten wird, sollte es halal sein. Halal (arab. ḥalāl für „erlaubt“ oder „rein“) bezeichnet im Islam alle Handlungen und Dinge, die nach islamischem Recht zulässig sind. Verboten ist Alkohol und Schweinefleisch, weshalb hierauf und auf Gelantine zu verzichten ist. Fleisch muss von Tieren stammen, die rituell geschlachtet wurden (Schächten). Hierfür gibt es halal-Siegel, die besonders in türkischen/arabischen Lebensmittelläden einfach erhältlich sind. Ein Buffet hat sich als praktische Form bewährt.
Im Verlauf des Abends entsteht häufig der Wunsch zu beten. Dafür genügt ein sauberer, ruhiger Platz mit etwas Freiraum. Manche bringen eigene Gebetsteppiche mit; es kann aber auch sinnvoll sein, einfache Teppiche oder Matten bereitzuhalten.
Ein mögliches Programm könnte so aussehen: Wenn jemand von den muslimischen Gästen des Arabischen mächtig ist, kann er oder sie eine kurze Rezitation aus dem Koran (optional, aber meist willkommen) vornehmen, anschließend eine sorgfältig vorgetragene deutsche Übersetzung, gegebenenfalls der Gebetsruf, ein kurzes Tischgebet – und dann das gemeinsame Essen.
Damit Gespräche in Gang kommen, lohnt es sich, Begegnungen bewusst zu fördern. Eine gemischte Sitzordnung, persönliche Vorstellungen beim Ankommen oder ein kurzer Impulsbeitrag im Vorfeld können helfen. Auch vorbereitete Fragen auf den Tischen – etwa zu einem bedeutenden Schriftwort, zu prägenden Glaubenserfahrungen oder zu wichtigen Personen im eigenen religiösen Leben – können einen offenen Austausch anregen.
Nicht zuletzt: Die muslimische Gemeinschaft ist so vielfältig wie jede andere religiöse Tradition. Verzichten Sie darauf, Ihr Gegenüber über dessen eigenen Glauben zu belehren. Nehmen Sie das, was Ihnen erzählt wird, als Vertrauensbeweis an.
Von den verschiedenen Übertragungen des arabischen Koran ins Deutsche empfehlen wir zuerst die Übertragung von Hartmut Bobzin. Sie ist eine neuere, philologisch fundierte deutsche Übertragung des Koran, die auf aktuellen islamwissenschaftlichen Forschungsstand und traditionellen Deutungen beruht. Bobzins Text zeichnet sich durch sorgfältige Sprachgestaltung und Lesbarkeit aus und gilt inzwischen vielen als eine der verlässlicheren Übersetzungen im deutschen Sprachraum.
Die klassische, literarisch eindrucksvolle Übersetzung aus dem 19. Jahrhundert von Friedrich Rückert lässt einiges von der poetischen Strahlkraft des Koran im Arabischen erahnen. Es ist eine unvollständige und nicht wortgetreue, sondern poetische Übertragung des Koran und bietet sich daher nicht als alleinigen, aber als ein zusätzlicher Zugang zum Koran an.
Es gibt zahlreiche weitere Koranübersetzungen, die jeweils ihre eigene Stärken und Schwächen haben.
Die korrekte und zu bevorzugende Bezeichnung lautet Muslim (Plural: Muslime). Das Wort Muslim entspricht unmittelbar dem arabischen Partizip Aktiv muslim („der sich (Gott) Ergebende“). Die Form Moslem wurde vermutlich vor einigen Jahrzehnten aus dem Englischen übernommen und spiegelt mit der Vokalverschiebung eine persisch geprägte Aussprache wider. Heute bezeichnen sich nahezu alle deutschsprachigen Muslime und islamischen Organisationen selbst als Muslime bzw. muslimisch. Die weibliche Form lautet Muslimin oder Muslima; im Plural Musliminnen oder Muslimas. Alle diese Formen sind korrekt und gebräuchlich.
Eine Kirchenführung für Muslime gelingt besonders gut, wenn sie informativ, respektvoll und dialogorientiert gestaltet ist. Bewährt hat sich u.a. ein Einstieg, der die Bedeutung einer Kirche im Christentum erklärt (Ort des Gebets, der Gemeinschaft, der Sakramente) und zugleich Gemeinsamkeiten im Glaubensleben mit Muslimen hervorhebt (z.B. Glaube an den einen Gott, Gebet, Offenbarung, Propheten wie Abraham, Mose, Maria).
Zur Erklärung der Architektur (Altar, Taufbecken etc.) und Symbolen (z.B. Kreuz) hat CIBEDO einen Kirchenführer speziell für muslimische Besucherinnen und Besucher erarbeitet. Er bietet praxisnahe Anregungen für die Gestaltung solcher Führungen. Bei Interesse kann die Vorlage bei CIBEDO angefragt werden. Zur Besprechung einiger christlichen Glaubensvorstellungen im Unterschied zu muslimischen gibt es hier Hinweise.
Die meisten Bistümer haben mittlerweile eigene Beauftragte für den interreligiösen Dialog und Islambeauftragte. Für Fragen, die speziell eine Moschee oder interreligiöse Initiativen vor Ort betreffen, sind die dortigen Kolleginnen und Kollegen die besten Ansprechpersonen. Eine Liste mit allen diözesanen Islambeauftragten finden Sie hier.
Darüber hinaus stehen Ihnen natürlich auch die Referenten von CIBEDO gerne für Fragen zur Verfügung!
Der interreligiöse Dialog ist ein Beziehungsgeschehen auf mehreren Ebenen, welches verschiedenen Dimensionen des menschlichen Lebens umfasst. Nach der Arbeitshilfe „Christlich-muslimische Beziehungen in Deutschland“ (2.1.2) lassen sich fünf Ebene bzw. Aspekte des Dialogs festmachen mit je eigenen Zielen. Diese Unterscheidung erweitert die vier Dialogebenen, die 1991 vom Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog formuliert wurden, um die fünfte der Repräsentanz. In Dialogbegegnungen greifen oft mehrere Ebenen gleichzeitig ineinander. Ihre Unterscheidung hilft, Ziele und Voraussetzungen des Dialogs klarer zu verstehen.
- Dialog des Alltags und des Zusammenlebens – das gelebte Miteinander im gesellschaftlichen Kontext.
Im Alltag begegnen sich Menschen verschiedener Religionen in Nachbarschaft, Schule, Arbeit oder Freizeit und lernen einander persönlich kennen. Durch gemeinsame Begegnungen und Aktivitäten können Vorurteile und Ängste abgebaut werden, während Vertrauen und Freundschaften wachsen. Diese Form des interreligiösen Dialogs gilt als besonders nachhaltig, da sie Respekt und Offenheit im direkten Miteinander einübt und festigt. - Dialog der Praxis – gemeinsame Verantwortung in sozialen und ethischen Handlungsfeldern
Über den Alltag hinaus zeigt sich interreligiöser Dialog in gemeinsamer praktischer Arbeit für andere, etwa in Seelsorge, Flüchtlingshilfe oder im Einsatz für die Umwelt. Gläubige verschiedener Religionen arbeiten dabei „Seite an Seite“ für das Gemeinwohl. Diese Form fördert vor allem Gerechtigkeit, Solidarität und tätige Nächstenliebe. - Dialog des theologischen Austauschs – sachliche Auseinandersetzung mit Glaubensinhalten und religiösen Selbstverständnissen
Im interreligiösen Dialog sprechen Menschen auch über ihren Glauben und vergleichen Vorstellungen von Gott, Ethik und Mensch. In dieser Form des Dialogs Dabei werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar, ohne dass eine Einigung nötig ist. Vielmehr geht es darum, Differenzen auszuhalten, voneinander zu lernen und den eigenen Glauben reflektiert ausdrücken zu können. - Dialog der spirituellen und ästhetischen Erfahrung – Wahrnehmung religiöser Ausdrucksformen
Diese Ebene umfasst das vertiefte Erleben der religiösen und ästhetischen Welt anderer, etwa durch den Besuch sakraler Orte, Kunst, Musik sowie die Teilnahme an Ritualen, Gebeten oder gemeinsamen Feiern. Auch gemeinsames Schweigen, Singen oder Pilgern gehören dazu. Der spirituell-ästhetische Dialog erfordert Offenheit, Wertschätzung und die Fähigkeit zur inneren Unterscheidung. - Dialog der Repräsentanz – institutioneller Austausch zwischen religiösen Akteuren
Auf dieser Ebene treten vor allem offizielle religiöse und politische Repräsentantinnen und Repräsentanten in den Dialog. Es geht um vertrauensbildende Maßnahmen, diplomatische Verständigung und eine Vorbildfunktion für Gläubige und Gesellschaft. Solche Begegnungen senden wichtige Signale der Versöhnung und erfordern besonders Klugheit und Mut.