CIBEDO-Lexikon

Kurze Erklärungen dialog-relevanter Begriffe und Themen, die von CIBEDO erstellt wurden oder Überarbeitungen der „Stichworte“ der Katholischen Nachrichten Agentur (KNA) sind. Das CIBEDO-Lexikon befindet sich im Aufbau und wird kontinuierlich überarbeitet und aktualisiert. Beim Hinweisen zu Stichpunkten, melden Sie sich gerne bei uns:

Die Kairoer Universität al-Azhar („die Leuchtende“) gilt als wichtigste theologische Hochschule des sunnitischen Islam. Sie zieht Gelehrte und Studenten aus der ganzen islamischen Welt an. Die an der Azhar formulierten Lehrmeinungen und religiösen Rechtsgutachten zu theologischen und juristischen Fragen haben große Autorität für den Weltislam. Die Azhar versteht sich als Hüterin der islamischen Tradition und Kultur und deren intellektuelles Zentrum.

Gegründet wurde die Azhar 975 von den schiitischen Fatimiden als Lehrstätte neben der gleichnamigen Moschee. Nach dem Ende der Dynastie übernahmen Sunniten die Leitung. Ihre Blütezeit erlebte die Azhar unter den Mamlukensultanen im Spätmittelalter. Im 19. Jahrhundert begann eine Reform des Lehrbetriebs. Neben den klassischen islamischen Fächern wie Koranauslegung und religiöses Recht traten weitere wie Geschichte, Pädagogik, Philologie, Gesellschafts- und Naturwissenschaften sowie später auch Medizin. Im 20. Jahrhundert wurde die Azhar auch für Frauen geöffnet. Unter Präsident Gamal Abdel Nasser verlor die Uni Anfang der 1960er Jahre weitgehend ihren autonomen Status. Die Professoren sind seitdem praktisch Angestellte des ägyptischen Staates.

Der Großscheich an der Spitze der Azhar wird vom ägyptischen Präsidenten persönlich ernannt und verhält sich meist loyal gegenüber der Regierung. Insgesamt steht die Azhar für einen strikt konservativen Islam. Reformansätze wie der Versuch einer historisch-kritischen Neuinterpretation und einer liberalen Neuauslegung des Koran wurden von ihr immer wieder blockiert und ihre Vertreter als unislamisch ausgegrenzt. Andererseits ging die Azhar aber auch gegen Auswüchse wie die Genitalverstümmelung von Mädchen vor und verurteilte den Terror des „Islamischen Staats“.

Die Azhar und der Vatikan stehen seit vielen Jahren im Austausch. Besondere Bedeutung erlangte sie für das christlich-islamische Gespräch, als 2019 Papst Franziskus mit dem Großscheich der Azhar, Ahmad al-Tayyeb, das Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen unterzeichnete.

(KNA – rkoln-89-00144) / CIBEDO

Die Aleviten sind eine Glaubensgemeinschaft, die sich im 13. und 14. Jahrhundert in Anatolien aus dem schiitischen Zweig des Islam entwickelt hat. Ihr Name verweist auf ʿAlī ibn Abī Tālib, den Vetter Muhammads und vierten Kalifen, den sie tief verehren. Die rituelle Gottesverehrung des Mehrheitsislam lehnen die Aleviten ab. Vorschriften der Scharia und die fünf Säulen des Islam – etwa die täglichen Pflichtgebete oder das Fasten im Ramadan – sowie die Verschleierung der Frau und andere Aspekte der islamischen Gesetzgebung spielen für sie keine Rolle. Den Koran legen Aleviten nicht wortwörtlich aus.

Im Mittelpunkt ihrer esoterisch geprägten Lehre, die keinem zentralen Dogma folgt, stehen ethische Aspekte. Sie lassen sich in dem alevitischen Grundsatz zusammenfassen: Beherrsche deine Hände, beherrsche deine Lende (also den Sexualtrieb), beherrsche deine Zunge. Allgemeine Menschenliebe und Toleranz, unabhängig von Rasse oder Religion, spielen ebenfalls eine zentrale Rolle.

Das bedeutendste alevitische Ritual sind die Treffen der Gläubigen in sogenannten Cem-Häusern. Dabei wird auch Alkohol getrunken, Männer und Frauen nehmen gemeinsam teil. Die häufige  Definition der Aleviten als „liberale Muslime“ ist jedoch irreführend. Viele Aleviten sehen sich vielmehr als Anhänger einer eigenen Religion. Andere betrachten sich aber sehr wohl als Muslime.  Unter strengen Sunniten gelten sie wiederum als Ketzer.

In der Türkei, wo sie nach Schätzungen ein Viertel der Bevölkerung stellen und gerade unter Kurden weit verbreitet sind, waren die Aleviten oft schwerer Verfolgung ausgesetzt. Bis heute werden sie vom türkischen Staat diskriminiert, etwa beim Religionsunterricht an Schulen.

Auch in Deutschland leben mehrere Hunderttausend Aleviten, schätzungsweise mehr als 10 Prozent der muslimischen Bevölkerung. Sie gelten oft als besonders gut integriert. In mehreren Bundesländern sowie in Österreich sind sie eine anerkannte Religionsgemeinschaft.

(KNA – kkllr-89-00115) / CIBEDO

Die Bahai-Religion wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Mirza Hussein Ali Nuri („Baha’u’llah“, Glanz Gottes) (1817-1892) in Persien gestiftet.

Das Bahaitum, aus dem schiitischen Islam hervorgegangen, versteht sich als jüngste monotheistische Offenbarungsreligion und vertritt die Idee der Einheit der Menschheit. Alleinvertretungs- und Absolutheitsansprüche werden abgelehnt. Aufgabe der Religionen in der heutigen Zeit sei es, Frieden und Verständigung zu stiften. Durch die Verbreitung der Lehre wuchs die Bahai-Gemeinde über Iran hinaus im Mittleren Osten an;  seit den 1890er Jahren hat sie sich auch in Europa und Nordamerika ausgebreitet. Heute zählt die Gemeinschaft rund 6 Millionen Anhänger weltweit. Das geistige Zentrum der Bahai-Gemeinde, das „Universale Haus der Gerechtigkeit“, befindet sich in Haifa in Israel. In Deutschland leben nach eigenen Angaben rund 6.000 Bahai.

Im Jahr 2013 wurde der Bahai Gemeinde durch das Land Hessen der Rechtsstatus einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen. Als Nicht-Regierungsorganisation engagiert sich der Nationale Geistige Rat derzeit u. a. als Mitglied im Abrahamitischen Forum und dem Forum Menschenrechte. In ihrem Ursprungsland Iran bilden die Bahai die größte religiöse Minderheit, die dort seit 1983 als Religionsgemeinschaft verboten ist. Ihre Anhänger sind dort massiven systematischen Repressionen und Verfolgungen ausgesetzt. Aus Sicht islamischer Autoritäten kann es keinen Propheten nach Muhammad geben. Zudem sind viele Bahai-Lehren dem islamistischen Fundamentalisten ein Dorn im Auge – etwa die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Ablehnung religiöser Absolutheitsansprüche und der Glaube an die innere Einheit aller Religionen.

(KNA – rlkko-89-00104) / CIBEDO

Die Wallfahrt nach Mekka, arabisch Haddsch (aǧǧ), ist eine der fünf Säulen des Islam.

Laut Koran (3:97) soll jeder Muslim und jede Muslimin einmal im Leben die heiligen Stätten besuchen, sofern er oder sie gesundheitlich und finanziell dazu in der Lage ist. Der Haddsch findet jährlich an den festgelegten Tagen des islamischen Monats Ḏū l-Ḥiǧǧa statt. Zuvor begibt sich der Pilger in einen rituellen Weihezustand (iḥrām), äußerlich erkennbar an der Kleidung aus weißen Tüchern.

Während der rund siebentägigen Pilgerfahrt folgt eine Reihe genau festgelegter Rituale wie das siebenmalige Umschreiten der Kaaba sowie die Wanderung und das Gebet an bestimmten Orten der Umgebung. Höhepunkt ist am 10. Ḏū l-Ḥiǧǧa der Beginn des viertägigen Opferfestes, das an Abrahams Bereitschaft zur Opferung seines Sohnes erinnert und von Muslimen weltweit gefeiert wird. Von den Tausenden geschlachteten Opfertieren essen die Pilger nur einen Teil und spenden den Rest an die Armen. Zum Abschluss der Wallfahrt besuchen viele Pilger noch Muhammads Grab in Medina. Die kleine Pilgerfahrt, arab. ʿumra, kann zu jeder beliebigen Zeit erfolgen, besonders beliebt ist sie jedoch im Fastenmonat Ramadan im Zeitraum vor und nach dem Haddsch.

Die Wallfahrt und ihre Zeremonien gab es schon in vorislamischer Zeit. Sie wurden von Muhammad mit neuer religiöser Bedeutung aufgeladen. So gilt etwa Abraham als Erbauer der Kaaba, der sie laut Koran als früheste monotheistische Kultstätte anlegte. Wer die Wallfahrt absolviert hat, genießt unter Muslimen hohes Ansehen und darf den Ehrentitel „Haddschi“ (aǧǧī) führen. Moderne Verkehrsmittel und der gewaltige Ausbau der Infrastruktur durch Saudi-Arabien ermöglichen heute Pilgerzahlen von mehr als zwei Millionen pro Jahr. Für das Königreich ist die Wallfahrt neben dem damit verbundenen Prestige somit auch ein riesiger Wirtschaftsfaktor.

(KNA – skslq-89-00069) / CIBEDO

Das islamische Opferfest (ʿĪdu l-Aḍḥā) bildet den Höhepunkt und Abschluss der jährlichen Pilgerfahrt nach Mekka. Es ist mit dem Fest des Fastenbrechens das wichtigste Fest des Islam. Gefeiert wird das Fest nicht nur in Mekka, sondern weltweit.

Das Ritual erinnert an das biblische Opfer Ibrahims (Abrahams), der bereit war, auf Geheiß Gottes seinen Sohn Ismail (Isaak) zu opfern. Die Muslime feiern, dass Gott dieses Opfer nur als Prüfung auferlegte und den Sohn schließlich rettete. Gefeiert wird dabei die Barmherzigkeit Gottes.

Der Termin richtet sich nach dem islamischen Mondkalender und kann jedes Jahr variieren. Das Opferfest wird vier Tage lang gefeiert und beginnt mit einem Moscheebesuch. Die anschließende Opferung eines Tieres, meist Schaf oder Ziege, ist für alle Muslime Pflicht, die finanziell dazu in der Lage sind. Das Fleisch soll auch an Freunde, Verwandte und Arme verteilt werden.

Die Schlachtung des Opfertieres erfolgt nach dem im Koran vorgeschriebenen Ritus. Dabei wird das Tier mit dem Kopf in Richtung Mekka gelegt und unter Anrufung Gottes geschächtet.

(KNA – sksml-89-00027) / CIBEDO

Jerusalem (KNA) Jerusalem ist für die drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam eine zentrale Stadt. Daran erinnern heute archäologische Zeugnisse und Heiligtümer, die sogenannten Heiligen Stätten. Kaum eine andere Metropole hatte eine so wechselvolle Geschichte; immer wieder änderten sich die politischen Machtverhältnisse.

Für Juden ist Jerusalem die Stätte des Tempels und die Hauptstadt des alten Israel. Christen verbinden mit der Stadt den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu und damit den Kern ihres Glaubens. Muslime sehen in Jerusalem, das der Prophet Mohammed nach der Tradition in einem nächtlichen Himmelsritt aufsuchte, die drittwichtigste Heilige Stätte nach Mekka und Medina.

Erstmals wird Jerusalem in einem Zeugnis um 2000 vor Christus erwähnt. Ab dem ersten Jahrtausend vor Christus war Jerusalem Hauptstadt des alten Israel. 63 vor Christus wurde die Stadt von den Römern erobert, die bei der Niederschlagung eines Aufstands 70 nach Christus den gewaltigen herodianischen Tempel zerstörten.

Nach der christlich-byzantinischen Herrschaft im vierten Jahrhundert übernahmen die Perser im siebten Jahrhundert die Macht in Palästina. Seitdem gehörte Jerusalem – nur unterbrochen in der Kreuzfahrerzeit zwischen 1099 und 1187 – zum muslimischen Herrschaftsbereich. Die osmanische Zeit ab dem 16. Jahrhundert dauerte bis zum britischen Mandat, das der Völkerbund nach dem Ersten Weltkrieg 1920 erteilte.

1947 beschlossen die Vereinten Nationen eine Internationalisierung der Stadt. Dieser Status gilt völkerrechtlich bis heute, wird aber weder von Israelis noch von Palästinensern akzeptiert. Von 1948 bis 1967 war die Stadt zwischen Jordanien und Israel geteilt. Die Knesset, das israelische Parlament, erklärte Jerusalem 1980 zur „ewigen Hauptstadt Israels“; dieser Anspruch findet international kaum Rückhalt. Die Botschaften sind miot Ausnahme der USA und einiger kleinerer Länder fast alle in Tel Aviv.

Im immer wieder vertagten Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern seit 1993 ist die Frage nach dem endgültigen Status ein Schlüsselproblem und wird regelmäßig ausgeklammert. Die jüngste Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem durch Präsident Donald Trump könnte das Gefüge nachhaltig verändern.

(KNA – skrkr-89-00046)

Bonn (KNA) Die Kopten sind die größte christliche Gemeinschaft in Ägypten. Sie führen ihre Anfänge auf den Evangelisten Markus zurück. Angaben über Mitgliederzahlen schwanken zwischen acht und elf Millionen unter den rund 94,5 Millionen Einwohnern Ägyptens. Etwa eine weitere halbe Million Kopten lebt in anderen Ländern, davon schätzungsweise 12.000 in Deutschland.

In Deutschland gibt es zwei Bistümer und zwei Klöster. Sprecher der Kopten in Deutschland ist der im ostwestfälischen Höxter residierende Bischof Anba Damian, der das norddeutsche Bistum leitet. Neben den orthodoxen Kopten gibt es eine mit Rom verbundene koptisch-katholische Kirche. Der Vatikan gibt ihre Mitgliederzahl mit 210.000 an; ihr Patriarch ist Ibrahim Isaac Sidrak.

Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche ist seit 2012 Papst-Patriarch Tawadros II. von Alexandrien; er gilt als 118. Nachfolger des heiligen Markus. Kopten wohnen hauptsächlich in Oberägypten und den großen Städten des Landes und gehören zu den altorientalischen Kirchen. Diese vollzogen bestimmte Lehrentscheidungen des Konzils von Chalcedon im Jahre 451 nicht mit, das eine Klärung des Verhältnisses von Göttlichkeit und Menschlichkeit in Christus suchte. Kopten benutzen einen eigenen, auf die Pharaonenzeit zurückgehenden Kalender, der sich am Sonnenjahr orientiert.

(KNA – sllko-89-00053) / CIBEDO

Das Fasten im Monat Ramadan, der neunte Monat des islamischen Mondjahres, ist eine der fünf Säulen des Islam. Auf das Ende des Ramadan folgt das dreitägige Fest des Fastenbrechens, arabisch ʿĪd al-Fiṭr.

Der Anfang des Fastenmonats hängt vom Zeitpunkt des Erscheinens der Neumondsichel ab. Die großen islamischen Verbände in Deutschland haben sich auf einen gemeinsamen Zeitrahmen verständigt. Der Ramadan erinnert nach islamischer Tradition an die Offenbarung des Koran durch den Erzengel Gabriel an den islamischen Propheten Muhammad. Zwischen dem Beginn der Morgendämmerung und dem Sonnenuntergang ist Muslimen das Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr untersagt. Mit dem ifṭār, dem gemeinsamen Abendessen, wird das Fasten täglich beendet. Häufig treffen sich die Gläubigen an den Abenden auch zum gemeinsamen Gebet oder rezitieren zu Hause Suren des Koran. Ausgeschlossen von der Fastenpflicht sind nur Reisende, Schwangere, stillende Mütter, Kinder, Kranke und Alte.

Der Ramadan dient den Gläubigen als Monat der spirituellen Reinigung, der Selbstdisziplin sowie der Stärkung von Mitgefühl und Gemeinschaft. Im Ramadan findet täglich ein Nachtgebet stattfindet (tarāwīḥ), innerhalb dessen im Ramadan der gesamte Koran rezitiert wird. Ebenso spielt Wohltätigkeit eine zentrale Rolle – Bedürftige werden durch verpflichtende Almosen (Zakāt) und freiwillige Spenden (Ṣadaqa) unterstützt. Für die meisten Muslime als der schönste Monat im Jahr, da das gemeinsame Fastenbrechen Gemeinschaft stiftet. Es ist mittlerweile eine schöne Tradition geworden, dass Muslime neben Familienangehörige auch Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen zum Fastenbrechen einladen.

Bonn (KNA) Der Salafismus ist eine islamisch-fundamentalistische Strömung. Ihr Vorbild sind die  „frommen Altvorderen“, arabisch „as-salaf aṣ-ṣāliḥ“, der ersten drei Generationen von Muslimen. Sie lebten nach Meinung der Salafisten den „reinen Islam“ der Frühzeit während. Diesen vermeintlichen Idealzustand des 7. Jahrhunderts wollen die Salafisten konservieren; sie imitieren ihn bis hin zu Barttracht, Bekleidung und Alltagsgewohnheiten wie der Benutzung des Zahnputzholzes. Ähnliche fundamentalistische Strömungen gab es während der islamischen Geschichte immer wieder. Seit dem 19. Jahrhundert erlebte der Salafismus mit den Herausforderungen durch den Westen eine Renaissance.

Der salafistische Islam ist geprägt von einem buchstabengetreuen Koranverständnis und Intoleranz gegenüber anderen Denkweisen. Die Salafisten lehnen auch die sunnitisch-orthodoxe  Theologie und die islamischen Rechtsschulen ab, weil sie unzulässige Neuerungen in den Islam gebracht und zur Spaltung der Muslime beigetragen hätten. Selbst einen Großteil der unter Orthodoxen gültigen Prophetenüberlieferungen verwerfen sie als nicht authentisch. Ein Teil der Salafisten ist zwar gegen Gewalt zur Durchsetzung eines Gottesstaates, allerdings existiert ein dschihadistischer Flügel mit Verbindungen zur islamistischen Terrorszene.

(KNA-rknnl-89-00044) / CIBEDO

Scharia ist ein arabischer Begriff (šariʿa), der zunächst allgemein mit „Weg“ und spezifischer mit „der (von Gott) gebahnte Weg (zur Wasserquelle)“. Als islamrechtlicher Fachbegriff wird unter Scharia ein alle Bereiche umfassendes Normensystem verstanden.

Dieses liegt jedoch nicht unmittelbar vor, sondern muss aus den religiösen Quellen (vor allem Koran und prophetische Überlieferung) abgeleitet werden und gilt damit nicht ohne weiteres als „islamischen Recht“. In der islamischen Tradition haben sich verschiedene Rechtsschulen mit je eigenen Methoden zur Rechtsfindung und eigenen autoritativen Quellen entwickelt.

Die meisten islamischen Staaten beziehen sich auf die „Scharia“ zwar als Basis und Quelle ihrer Gesetzgebung , besonders im Familienrecht, weichen aber teils erheblich davon ab, etwa im Strafrecht.

Jerusalem (KNA) Der Tempelberg, arabisch „al-ḥaram aš-šarīf“ (edles Heiligtum) ist für Juden, Muslime und Christen eine wichtige Heilige Stätte. Bis zur Zerstörung durch die Römer im Jahr 70 befand sich an dieser Stelle der jüdische Tempel, zentrales Heiligtum Israels. Zahlreiche mythische und  biblische Traditionen und Legendensind mit dem Ort verbunden. Die im Südosten der Jerusalemer Altstadt oberhalb des Kidron-Tals gelegene Stätte ist bis heute stark umstritten. Immer wieder kommt es zu Spannungen und blutigen Konflikten.

An dieser Stelle soll der biblische Patriarch Abraham von Gott aufgefordert worden sein, seinen Sohn Isaak zu opfern. Nach den Worten des Koran begann Muhammad dort seine nächtliche Himmelsreise. Seit der muslimischen Eroberung 638 ist der al-ḥaram aš-šarīf neben der Wallfahrtsmoschee in Mekka und der Grabmoschee Muhammads in Medina zentrale Kultstätte des Islam. Über den  Ruinen einer von Kaiser Justinian erbauten Marienkirche wurde dort die heutige al-Aqsa-Moschee errichtet.

Die heutigen Mauern des Tempelbergbezirks entsprechen in ihren Ausmaßen der Umfassungsmauer des von Herodes erbauten zweiten Tempels. Ihre auch als Klagemauer bezeichneten westlichen Reste sind die wichtigste Gebetsstätte des Judentums. Eine Minderheit rechtsgerichteter Juden  betreibt Pläne für die Errichtung eines dritten Tempels auf dem Tempelberg. Vermehrt werden jüdische Forderungen laut, den bislang von der islamischen Waqf-Behörde kontrollierten Tempelberg unter israelische Souveränität zu stellen und Juden das Recht zum Gebet an der Heiligen Stätte  zuzusprechen.

© KNA (KNA – kklmt-89-00030) / CIBEDO