Begegnung

Begegnung bei KUDEM e.V. © CIBEDO

Interreligiöser Dialog ist aus christlicher Perspektive kein bloßes Instrument gesellschaftlicher Verständigung, sondern Ausdruck eines theologisch begründeten Beziehungsauftrags. Er lebt von persönlicher wie institutioneller Begegnung und setzt die Bereitschaft voraus, den religiös Anderen ernsthaft wahrzunehmen, ohne die eigene Glaubensüberzeugung zu relativieren.

CIBEDO fördert christlich-islamische Begegnungen in Deutschland durch die Konzeption, Organisation und fachliche Begleitung vielfältiger Dialogformate, durch die Mitarbeit in Gesprächskreisen sowie durch die Beteiligung an Dialogprojekten auf lokaler, regionaler und bundesweiter Ebene. In diesem Rahmen nimmt CIBEDO die Aufgabe wahr, als verlässlicher Dialogpartner und als Repräsentanz der katholischen Kirche im christlich-islamischen Austausch auf Bundesebene zu wirken.

Der interreligiöse Dialog auf der Ebene der Diözesen und der einzelnen Gemeinden wird eigenständig von den diözesanen Dialog- und Islambeauftragten sowie von weiteren kirchlichen Akteurinnen und Akteuren verantwortet und gestaltet. CIBEDO versteht sich hierbei als unterstützende, beratende und vernetzende Fachstelle.

Der 103. Deutscher Katholikentag in Erfurt 2024, © CIBEDO

Dialog als mehrdimensionales Beziehungsgeschehen

Theologisch reflektierter interreligiöser Dialog vollzieht sich auf unterschiedlichen Ebenen und kann nicht auf eine einzige Form reduziert werden. In der kirchlichen Dialogtheologie haben sich insbesondere folgende Ebenen bewährt:
– Dialog des Alltags und des Zusammenlebens – das gelebte Miteinander im gesellschaftlichen Kontext
– Dialog der Praxis – gemeinsame Verantwortung in sozialen und ethischen Handlungsfeldern
– Dialog des theologischen Austauschs – sachliche Auseinandersetzung mit Glaubensinhalten und religiösen Selbstverständnissen
– Dialog der spirituellen und ästhetischen Erfahrung – Wahrnehmung religiöser Ausdrucksformen
– Dialog der Repräsentanz – institutioneller Austausch zwischen religiösen Akteuren
Diese Unterscheidung ermöglicht es, Dialog realistisch zu gestalten, Erwartungen zu klären und unterschiedliche Ebenen nicht zu vermengen. Eine ausführliche Darstellung findet sich in der Handreichung Christlich-muslimische Beziehungen sowie in den FAQ zum Dialog und im CIBEDO-Lexikon.

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Dialog in der Vielfalt der Islamlandschaft

Die katholische Kirche sucht den Dialog mit Musliminnen und Muslimen in der Vielfalt der religiösen, kulturellen und organisatorischen Ausprägungen des Islam in Deutschland. Diese Vielfalt reicht von großen, institutionell verfassten Verbänden bis hin zu lokalen Initiativen, Gemeinden und nicht-organisierten Akteuren.
CIBEDO pflegt daher Kontakte in unterschiedlicher Intensität und je nach thematischem Zusammenhang zu muslimischen Organisationen, islamischen Verbänden, zivilgesellschaftlichen Initiativen und einzelnen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern.

Ziel ist es, den christlich-islamischen Dialog als offenen, verantworteten und lernbereiten Prozess zu gestalten, der sowohl der theologischen Wahrheitssuche als auch dem gesellschaftlichen Frieden dient.

Akteur und Dialogpartner

CIBEDO prägt den christlich-islamischen Dialog aktiv und verantwortungsbewusst mit. Als fachlich ausgewiesene Einrichtung der Deutschen Bischofskonferenz initiiert, begleitet und reflektiert sie Projekte, Veranstaltungen und Begegnungsformate, die den Austausch zwischen Christinnen und Christen sowie Musliminnen und Muslimen fördern. Darüber hinaus ist sie kontinuierlich in institutionelle Dialogzusammenhänge eingebunden, unter anderem im Rahmen der Unterkommission für den interreligiösen Dialog.
Begegnung wird unter anderem durch die Mitorganisation des jährlichen Empfangs für die Partnerinnen und Partner im christlich-islamischen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz ermöglicht. Ebenso wird Begegnung durch ein eigenes Begegnungszelt auf dem Deutschen Katholikentag sowie durch die Leitung des Arbeitskreises „Christlich-Islamischer Dialog” im Kontext dieses Großereignisses ermöglicht. Diese Formate verbinden institutionellen Austausch mit persönlicher Begegnung und tragen nachhaltig zur Vertiefung dialogischer Beziehungen bei.
Zugleich tritt die Einrichtung auf Bundesebene als eigenständiger Akteur für die katholische Kirche in Erscheinung. In verschiedenen überregionalen Dialogformaten bringt sie die kirchliche Perspektive dort theologisch reflektiert, dialogisch verantwortet und institutionell verlässlich ein.

Der Runde Tisch der Religionen in Deutschland (RTD) ist ein Zusammenschluss von Vertreterinnen und Vertretern zahlreicher Religionsgemeinschaften. Ziel ist es, den interreligiösen Dialog zu fördern, Vertrauen zu stärken und gemeinsam Verantwortung für den gesellschaftlichen Frieden zu übernehmen.
Dr. Timo Güzelmansur ist Geschäftsführer des Runden Tisches der Religionen in Deutschland (RTD) sowie von der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle (CIBEDO) – Fachstelle der Deutschen Bischofskonferenz und koordiniert die Arbeit des RTD.

„Weißt du, wer ich bin?“ ist ein gemeinsames interreligiöses Vorhaben der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, des Zentralrat der Juden in Deutschland und des Koordinationsrat der Muslime. Ziel des Projekts ist es, das friedliche Zusammenleben der Religionen in Deutschland zu fördern und konkrete Formen des interreligiösen Dialogs und der Zusammenarbeit vor Ort zu unterstützen. CIBEDO ist im Exekutivausschuss des Projekts Weißt du, wer ich bin? vertreten und begleitet dessen strategische Ausrichtung auf Bundesebene.

In der 6. Projektphase (2026–2028) ist CIBEDO zudem offizieller Kooperationspartner des Projekts und wirkt an dessen inhaltlicher und struktureller Weiterentwicklung mit.

CIBEDO bringt in diesem Rahmen die katholische Perspektive in die Projektarbeit ein und leistet einen Beitrag zur theologisch verantworteten Ausgestaltung des interreligiösen Austauschs.

Zur Konferenz Kirche und Islam, dem Zusammenschluss aller Personen, die im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hauptamtlich mit Fragen des christlich-islamischen Dialogs befasst sind, bestehen verschiedene ökumenische Kooperationen. Hierzu zählt neben der Kooperation beim Projekt „Weißt du wer ich bin?“ ein gemeinsamen Studientag der katholischen und evangelischen Islambeauftragten alle zwei Jahre. Lokal in Frankfurt a.M. besteht eine Kooperation ein engerer Austausch mit dem Zentrum Ökumene der Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Der Gesprächskreis „Christen und Muslime“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken sieht seine Aufgabe vielmehr im Dialog zwischen Christ*innen und Muslim*innen und in der Erarbeitung gemeinsamer Stellungnahmen zu konkreten gesellschaftspolitischen Feldern und praktischen Fragen des alltäglichen Zusammenlebens von Christ*innen und Muslim*innen. Dabei sollen insbesondere gemeinsame Interessen und die Verantwortung von Christ*innen und Muslim*innen in unserer Gesellschaft betont werden. Er wirkt an der Vorbereitung des Programms der Katholikentage und der Ökumenischen Kirchentage mit. 

Das Abrahamische Forum in Deutschland e.V. ist ein Zusammenschluss von Persönlichkeiten aus dem Judentum, Christentum, Islam, Alevitentum und Bahaitum mit Wissenschaftlern und Experten, die sich für ein gutes Miteinander von Menschen unterschiedlicher Religion engagieren. Es ist offen für andere Religionen. Das Abrahamische Forum gibt u.a. Stellungnahmen heraus, organisiert Veranstaltungen Abrahamischer Teams und andere interreligöse Dialoge, leitet den Arbeitskreis Religionen und Naturschutz und unterstützt die Internationalen Wochen gegen Rassismus.

Repräsentanz

Tag der Religionen in Hamburg 2025, ©Senatskanzlei Hamburg

CIBEDO nimmt die Aufgabe wahr, die katholische Kirche im interreligiösen Dialog auf Bundesebene zu repräsentieren. In dieser Funktion bringt CIBEDO die kirchliche Perspektive in den Dialog ein, vertritt die theologischen und dialogischen Grundsätze der Kirche und vermittelt deren Haltung von Respekt, Offenheit und verantworteter Zusammenarbeit gegenüber Musliminnen und Muslimen sowie gegenüber der Gesellschaft insgesamt.
Zu den zentralen repräsentativen Aufgaben von CIBEDO gehören die Mitwirkung an und Mitorganisation von Dialogveranstaltungen mit überregionaler Bedeutung. Dazu zählen unter anderem der Empfang der Partnerinnen und Partner im christlich-islamischen Dialog, multireligiöse Gebetsformate sowie verschiedene Treffen der Unterkommission für den interreligiösen Dialog. In diesen Kontexten wirkt CIBEDO darauf hin, den interreligiösen Austausch theologisch verantwortet, dialogisch offen und institutionell verlässlich zu gestalten.

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